Kritik am Artikel Seiner Eminenz Kardinal Müller gegen die Bischofweihen der FSSPX
Einige Sätze Seiner Eminenz werden hier in Normalschrift zitiert und im unterstrichenen Kursivdruck kritisiert:
Es besteht kein Zweifel, dass die Piusbruderschaft inhaltlich mit dem katholischen Glauben übereinstimmt (abgesehen vom II. Vatikanum, das sie aber fälschlicherweise als Abweichung von der Tradition interpretiert). Und wenn sie das II. Vatikanum in Gänze oder in Teilen nicht anerkennen, so befinden sie sich in einem Widerspruch mit sich selbst, da sie zu Recht sagen, dass das II. Vatikanische Konzil keine neue Lehre in Form eines definierten Dogmas allen Katholiken zu glauben vorgelegt hat. Das Konzil selbst ist von dem klaren Bewusstsein getragen, dass es in der Reihe aller Ökumenischen Konzilien steht und besonders des Konzils von Trient und des I. Vatikanums. Es ging nur darum die immer schon gültige Lehre über die Göttliche Offenbarung (Dei verbum) und die Kirche des dreifaltigen Gottes (Lumen gentium) dogmatisch in ihrem Gesamtzusammenhang den Gläubigen erneut und vertieft darzulegen. Die Liturgie sollte auch nicht reformiert werden, so als ob sie veraltet wäre. Im Gegensatz zu dem progressistischen Narrativ braucht die Kirche nicht wie in einem biologischen Alterungsprozess irgendwelche medizinischen Verjüngungskuren durchzuführen.
Wenn das Konzil nichts wesentlich Neues gebracht hat und die Piusbruderschaft am Alten festhält, warum soll sie dann auf das Konzil eingeschworen werden?
Das Konzil gab den ungewollten Anlass, einen Novus Ordo zu erfinden, mit einer Reihe neuer Canones und der Zelebration zum Volk hin, als wäre die heilige Messe eher Katechese und Mahl als das Opfer Christi.
Dass die Liturgiereform weit über die Vorgaben des Konzils hinausschießt, hätte seit Jahrzehnten die Päpste interessieren müssen.
Deshalb ist auch umgekehrt die Behauptung theologisch falsch, die lateinische Liturgie nach dem Missale und Rituale Romanum (nach dem Ritus antiquior) sei illegitim, weil das Gesetz des Betens, das Gesetz des Glaubens ist (Ps-Coelestin, Indiculus, cap. 8: DH 246).
(…) Insofern darf jeder Katholik das Motu proprio „Traditionis custodes“ (2021) und seine oft unwürdige Umsetzung seitens geistig überforderter Bischöfe kritisieren sowie deren mangelhafte theologische Argumentation und pastorale Rücksichtslosigkeit.
Wo wird „Traditionis custodes" „unwürdiger“ umgesetzt als der Text erlaubt? Wo schreitet der Heilige Vater gegen „unwürdige Umsetzung“ ein? Es steht eine 1500jährige Tradition auf dem Spiel.
Der Novus Ordo kann gültig zelebriert werden und wird das wohl weltweit, aber weil er die Häresie begünstigt, ist er illegitim: Kniebeuge des Priesters nicht unmittelbar nach der Konsekration, erlaubte Zelebration zum Volk hin, als ginge es um menschliche Gemeinschaft und ein Mahl statt um das Opfer Christi an Gottvater, und andere Defizite.
Aber auch der Zweifel, dass die Hl. Messe nach dem Missale Pauls VI. (etwa wegen der Möglichkeit von Konzelebration, der Richtung des Altars, der Verwendung des Landesprache) der Tradition der Kirche als normativem Kriterium der Auslegung der Offenbarung widerspreche (und von freimaurerischen Gedankengut durchsetzt sei) ist theologisch abwegig und eines ernsthaften Katholiken unwürdig.
Die gegen das Konzil ausgeweitete unmystische Landessprache verleitet zur pastoralen Geschwätzigkeit, war aber nie ein Hauptargument gegen den Novus Ordo. Wohl aber die historisch widerlegte neue Stellung des Priesters mit dem Gesicht zur Gemeinde, den Charakter der heiligen Messe als unblutige Gegenwärtigsetzung von Christi Kreuzesopfer verdunkelnd. Favens haeresiam, die Häresie begünstigend ist auch, dass der Priester konsekrierte Hostie und konsekrierten Kelch erst der Gemeinde zeigt und erst danach sich anbetend kniet; es kommt an den Universitäten durchaus die Meinung vor, dass die Gemeinde zur Zelebration notwendig wäre, ja, auch ohne Priester gültig die Eucharistie feiern könne.
Die Argumente gegen den Novus Ordo von den Kardinälen Bacci und Ottaviani bis Erzbischof Lefebvre sollte Kardinal Müller besser kennen und würdigen.
Wohl besonders den Vorwurf "freimaurerischen Gedankengutes" hält Kardinal Müller für "eines ernsthaften Katholiken unwürdig".
Man darf aber doch sagen, dass die neue Liturgie in der Praxis einem Anthropozentrismus die Tür geöffnet hat. der aus dem Geist der humanistischen Freimaurerei stammt. Und Seine Eminenz sollte treffender sagen: Die ans Freimaurertum erinnernde Erklärung des Papstes Franziskus von Abu Dhabi ist eines ernsthaften Katholiken unwürdig.
Der tatsächlich vorkommende Missbrauch der Liturgie (Fastnachtsmessen, die atheistische Regenbogenfahne in der Kirche, willkürliche Änderungen nach eigenem Gusto) ist nicht dem Ritus des Novus Ordo oder gar dem Konzil anzulasten, sondern denen, die sich dieser Blasphemien und liturgischen Missbräuche wegen Ignoranz oder aus Frivolität vor Gott und der Kirche schwer schuldig machen.
Man hat nicht den Eindruck, dass Papst und Bischöfe solche Missbräuche für „schwere Schuld“ halten, im Gegenteil.
Das ist ja Teil der kirchlichen Notlage, von der die Priesterbruderschaft St. Pius X. spricht!
Und so haben rechtgläubige Bischöfe auch an neueren Dokumenten Anstoß genommen, in denen sich dilettantisch dogmatische und pastorale Argumente verwirrt haben oder wenn undurchdachte Äußerungen gefallen sind, dass – Christus relativierend – alle Religionen Wege zu Gott seien, während man im Blick auf Maria Corredemptrix et Matrix omnium gratiarum wieder auf die einzige Mittlerschaft Christi gepocht hatte ohne die Lehre der Kirche von der Mitwirkung Marias am Heilswerk Christi zu beachten.
Aber, sehr verehrte hochwürdigste Eminenz Herr Kardinal, das ist ja gerade die Notlage laut Canon 1323 CIC, die eine Exkommunikation trotz unerlaubter Bischofsweihen verhindert!
Zu Recht beklagen nicht nur die Piusbruderschaft, sondern ein Großteil der Katholiken, dass unter dem Vorwand der Erneuerung der Kirche – mit dem Prozess einer Selbstsäkularisierung – auch große Unsicherheiten in dogmatischen Fragen und sogar Irrlehren in die Kirche eingedrungen sind. Aber auch in der 2000jährigen Kirchengeschichte wurden die Häresien vom Arianismus bis zum Modernismus nur von denen überwunden, die in der Kirche geblieben sind und nicht von der Seite des Papstes gewichen sind.
Danke für dieses Eingeständnis der Selbstsäkularisierung und Irrlehren!
Treu an der Seite des Papstes und treu in der Kirche zu bleiben, heißt aber, dem Heiligen Vater zum Guten zu helfen, wenn er doch selber mitwirkt an der Verwirrung durch das, was Kardinal Müller „Dokumente“ nennt, also etwa durch das Beibehalten der spontanen, schlichten, aber besonderen Segnung homosexueller Paare laut "Fiducia supplicans".
Oder durch die Anerkennung schismatischer und häretischer Bischöfe der chinesischen kommunistischen Partei.
Oder durch eigenes Abweichen vom Konzilstext " Lumen Gentium", indem er eine Ordensfrau mit Vollmacht über Priester und Bischöfe ausstattet.
Die einzige Lösung, die im Gewissen vor Gott möglich ist, besteht darin, dass die Piusbruderschaft mit ihren Bischöfen und Priestern und Laien nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis unseren Heiligen Vater Papst Leo XIV. als rechtmäßigen Papst anerkennt und sich seiner Lehrvollmacht und seinem Jurisdiktionsprimat ohne Vorbedingungen unterstellt.
Das tägliche Beten für den Heiligen Vater im Messcanon ist Tat!
Dass der Papst einen allumfassenden Jurisdiktionsprimat sowie Lehrvollmacht besitzt, ist unfehlbare Lehre der Kirche.
Aber es ist nicht Lehre der Kirche, dass der Papst diesen Jurisdiktionsprimat und seine Lehrvollmacht immer unfehlbar und zum Heile der Seelen ausübt.
Ein zu großes Maß an Schädlichem fordert heiligen Ungehorsam heraus.