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Josef O.

Predigt von P. Pius Görres CP am 14. SONNTAG IM JAHRESKREIS
"Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt, ich will euch erquicken."
Hier das vollständige Transskript:
Liebe Schwestern und Brüder, es gibt Sätze Jesu, Sätze im Evangelium, die gehören zu den schönsten und vielleicht auch zugleich den tröstlichsten in der ganzen Heiligen Schrift. Und ich glaube, einen davon haben wir gerade gehört: "Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich will euch erquicken." Kaum ein anderes Wort unseres Herrn hat so viele Menschen durch die Jahrhunderte begleitet: Kranke und Sterbende, Mütter und Väter, Priester und Ordensleute, Menschen, die an ihrer Arbeit fast zerbrechen, Menschen, die Schuld auf sich geladen haben oder die einfach müde geworden sind. Dieses Wort ist keine bloße Vertröstung. Es ist eine Einladung, es ist ein Versprechen. Und es offenbart etwas vom Herzen Jesu. Doch gerade weil wir diese Worte so oft hören, besteht die Gefahr, dass wir sie vielleicht missverstehen. Jesus sagt nämlich nicht: Kommt zu mir und ihr werdet keine Last mehr haben. Er sagt auch nicht: Wer mir nachfolgt, dessen Leben wird leicht. Im Gegenteil, unmittelbar danach spricht der Herr von seinem Joch, und das christliche Leben kennt durchaus Lasten, aber es kennt eine Last, die trägt, und eine Last, die er drückt. Und ich glaube, genau darin liegt der Unterschied. Die erste Lesung aus dem Buch des Propheten Sacharja bereitet dieses Evangelium wunderbar vor. Der Prophet kündigt den kommenden Messias an. Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft. Er ist demütig und reitet auf einem Esel. Und schon für die Zeitgenossen war das ein eher ungewöhnliches Bild. Könige ritten auf stolzen Pferden. Sie demonstrierten Macht und Stärke und militärische Überlegenheit. Aber wer auf einem Esel einzieht, der kommt sicher nicht als Eroberer. Und als Jesus dann am Palmsonntag tatsächlich auf einem Esel nach Jerusalem reitet, erfüllt er diese Weissagung ganz bewusst. Er zeigt, Gottes Herrschaft funktioniert anders als menschliche Herrschaft. Die Welt sagt: Wer groß sein will, der muss sich durchsetzen. Wer Erfolg haben will, der muss stärker sein als die anderen. Wer Frieden sichern will, der braucht immer größere Macht. Jesus zeigt einen anderen Weg. Nicht Gewalt überwindet Gewalt, sondern die Liebe. Nicht Stolz heilt die Welt, sondern Demut. Nicht herrschen, sondern dienen. Darum endet die Lesung mit einer Friedensverheißung. Er verkündet Frieden den Völkern, nicht nur Israel, nicht nur einigen, sondern allen Völkern. Der Friede Christi beginnt nicht zuerst in den internationalen Beziehungen, er beginnt im Herzen des Menschen. Und genau dort setzt auch das Evangelium an. Zunächst preist Jesus den Vater. Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Es klingt zunächst ja fast provozierend. Ist denn Bildung etwas Schlechtes? Natürlich nicht. Die Kirche hat Universitäten gegründet. Sie liebt die Wissenschaft. Sie liebt die Vernunft. Große Heilige wie Augustinus oder Thomas von Aquin gehören zu den bedeutendsten Denkern der Menschheitsgeschichte. Jesus kritisiert hier also nicht den Verstand, aber er kritisiert den Hochmut des Verstandes. Es gibt Menschen, die glauben Gott, vollständig erklären oder vielleicht auch wegzuerklären können. Und es gibt Menschen, die glauben, Gott gar nicht mehr zu brauchen. Beiden fehlt etwas Entscheidendes: die Demut. Die Unmündigen, von denen Jesus spricht, das sind nicht die Ungebildeten. Es sind jene, die bereit sind zu empfangen. Menschen, die wissen, dass sie nicht alles selbst machen können. Eigentlich beschreibt Jesus damit ja die Haltung eines Kindes. Ein Kind vertraut, ein Kind lässt sich beschenken, ein Kind weiß, dass es Hilfe braucht. Genau darum geht es im Glauben, liebe Schwestern und Brüder: Nicht unsere Leistung rettet uns, nicht unsere Frömmigkeit, nicht unsere Intelligenz, sondern Gottes Gnade. Vielleicht liegt darin auch eine der größten Schwierigkeiten unserer Zeit, sind wir es doch gewohnt, alles selbst zu organisieren. Wir planen, wir optimieren, wir kontrollieren, wir möchten unser Leben im Griff haben. Aber irgendwann kommt doch jeder Mensch einmal an Grenzen: eine Krankheit, der Tod eines Angehörigen, eine zerbrochene Beziehung, eine Schuld, die sich nicht rückgängig machen lässt. Dann merken wir: Ich kann mich nicht selbst erlösen. Und genau dort beginnt der Glaube. Die Lesung aus dem Römerbrief beschreibt diese Wirklichkeit mit den Begriffen Fleisch und Geist. Diese Begriffe werden häufig missverstanden. Mit Fleisch meint Paulus nicht den menschlichen Körper. Denn der Leib ist gut, er ist von Gott geschaffen. Er wird einst auferstehen. Nein, mit Fleisch meint Paulus hier den Menschen, der lebt, als gäbe es Gott nicht. Den Menschen, der sich selbst zum Mittelpunkt macht. Demgegenüber steht das Leben im Geist. Wer im Geist lebt, dessen Leben wird vom Heiligen Geist geprägt. Und natürlich bleibt auch der Christ schwach. Natürlich kämpft auch der Christ gegen Versuchungen, aber sein Leben hat eine neue Richtung bekommen. Paulus sagt sogar: "Der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, wohnt in euch." Ein fast schon ungeheuerlicher Gedanke. Nicht irgendeine Kraft, nicht irgendeine Inspiration, sondern derselbe Heilige Geist, durch den Christus aus dem Grab auferstand. Dieser Geist lebt in jedem Getauften, in jedem von uns. Das bedeutet, wir sind niemals allein. Gerade in schweren Zeiten, liebe Schwestern und Brüder, vergessen wir das so schnell. Wir sehen unsere Schwäche. Gott aber sieht die Kraft seiner Gnade. Wir sehen nur unsere Schuld und Sünde. Gott sieht den Menschen, den er erlösen will. Wir sehen unsere Grenzen, aber Gott sieht unser Ziel. Damit sind wir wieder beim Evangelium. "Kommt alle zu mir", sagt der Herr. Wer sind denn diese alle? Nicht nur besonders fromme Menschen, nicht nur jene, die keine Fehler haben, nicht nur Heilige, sondern alle. Gerade die Müden, gerade die Überforderten, und gerade die Sünder, gerade diejenigen, die meinen, Gott habe sie längst aufgegeben. Jesus schließt niemanden aus. Und dennoch bleibt seine Einladung anspruchsvoll, denn er sagt: "Nehmt mein Joch auf euch." Ein Joch, das verbindet zwei Zugtiere. Ein nicht gerade besonders attraktiv wirkender Ausdruck. Warum soll ausgerechnet ein Joch Erleichterung bringen? Die Kirchenväter geben darauf eine schöne Antwort: Wenn Christus uns sein Joch anbietet, dann legt er sich selbst mit unter dieses Joch. Er verlangt nichts, was er nicht selbst trägt. Ja, mehr noch, er trägt den größeren Teil der Last. Das sehen wir am Kreuz. Dort trägt Christus letztlich die schwerste Last überhaupt, die Last der Sünde der ganzen Welt. Und seitdem gilt: Keine Last unseres Lebens tragen wir allein. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Schwierigkeiten einfach so verschwinden. Ein Christ wird krank wie jeder andere, er erlebt Enttäuschungen, er muss Abschied nehmen, er kennt Einsamkeit. Aber all diese Lasten erhalten einen neuen Sinn, weil Christus sie mittträgt. Vielleicht kennen Sie die Erfahrung, liebe Schwestern und Brüder, dass dieselbe Last unerträglich wird, wenn man alleine ist und erträglich, wenn jemand sie mitträgt. Ein Krankenhausbesuch verändert die Krankheit nicht, aber er verändert den Kranken. Ein guter Freund nimmt den Schmerz nicht weg, aber er macht ihn leichter. So ist Christus. Er nimmt uns die Last nicht immer ab, aber er trägt sie mit uns. Und deshalb sagt er: "Mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht." Leicht nicht deshalb, weil sie objektiv klein wäre, leicht, weil sie gemeinsam mit ihm getragen wird. Es fällt auf, liebe Schwestern und Brüder, dass Jesus in diesem Evangelium sich selbst beschreibt: "Denn ich bin gütig und von Herzen demütig." Nur hier im Evangelium spricht Jesus ausdrücklich über sein eigenes Herz. Die Heiligen haben oft darüber nachgedacht. Das Herz Jesu ist der Ort seiner Liebe. Eine Liebe, die sich verschenkt, eine Liebe, die vergibt, eine Liebe, die bis zum Kreuz geht. Gerade deshalb ist auch die Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu keine bloße Frömmigkeitsform - sie führt uns mitten in das Geheimnis Gottes hinein. Wer das Herz Jesu betrachtet, der erkennt: Gott begegnet uns nicht mit Härte, sondern mit Erbarmung, nicht mit Verurteilung, sondern mit Einladung, nicht mit Macht, sondern mit Liebe. Und genau darin liegt vielleicht auch der Schlüssel für unser eigenes Leben. Wenn Christus sanftmütig ist, wie gehen wir miteinander um? Wie sprechen wir über andere Menschen? Wie reagieren wir auf Fehler und wie schnell verurteilen wir, wie schwer vor allem fällt uns manchmal das Vergeben? Die Welt wird nicht dadurch christlicher, dass wir lauter werden. Sie wird christlicher, wenn das Herz Christi in uns sichtbar wird. Die Heiligen haben uns das immer wieder vorgelebt. Denken wir nur an den Heiligen Franziskus, dessen Demut selbst den Sultan beeindruckte, den er bekehren wollte, oder an den Heiligen Vinzenz von Paul, der Christus in den Armen erkannte, oder an den Heiligen Paul vom Kreuz, den Gründer unseres Ordens? Er war überzeugt, dass die Betrachtung des Kreuzes den Menschen verwandelt. Wer auf den gekreuzigten Christus schaut, der lernt Demut, Geduld und Liebe. Gerade aus der Betrachtung der Passion erwächst jene innere Ruhe, von der das heutige Evangelium spricht. Denn am Kreuz sehen wir, dass Christus jede menschliche Last auf sich genommen hat und keine Träne, kein Leid und keine Mühe dem Herzen Gottes fremd geblieben sind. Liebe Schwestern und Brüder, am Ende dieser Heiligen Messe, dieser Eucharistiefeier, werden wir wieder gestärkt hinausgehen. Nicht ohne Aufgaben, nicht ohne Sorgen, und auch nicht ohne Kreuz, aber hoffentlich mit einer tieferen Gewissheit: Christus geht mit uns. Der König auf dem Esel ist stärker als alle Mächtigen dieser Welt. Der Gekreuzigte ist der Sieger über Sünde und Tod. Der Auferstandene schenkt uns seinen Geist und der Herr lädt uns heute neu ein: "Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen." Liebe Schwestern und Brüder, nehmen wir diese Einladung an. Legen wir unser Leben vertrauensvoll in seine Hände, denn nur bei ihm findet das unruhige Menschenherz jene Ruhe, nach der es sich seit jeher sehnt, die Ruhe in Gott, die schon hier auf Erden beginnt und in der ewigen Gemeinschaft mit ihm ihre Vollendung findet. Amen.

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Josef O.

Ich habe mir heute wieder mal extra viel Zeit genommen, darüber nachzudenken, war mir durch die Lesungen des heutigen Sonntags gesagt werden will. Dass ich von Maria Schutz und den dortigen Passionisten absolut begeistert bin, muss ich ja nicht mehr erwähnen... da sind durch die Bank hervorragende Prediger und Exegeten am Werke. Aber ich ziehe immer wieder gerne auch Vergleiche mit den Auslegungen der von mir so hochgeschätzten Dr. Margarete Strauss... sie hat vor Jahren mal für alle 3 Lesejahre Tag für Tag Auslegungen dazu veröffentlicht, eine Leistung, für die sie allein schon einen hohen kirchlichen Orden verdienen würde! 2020 hatten wir auch Lesejahr A, und der 14. Sonntag im Jahreskreis war damals auch am 5. Juli:
14. Sonntag im Jahreskreis
Besonders bewundere ich ihr großes Hintergrundwissen und ihre Fähigkeit zur Zusammenschau.
Als erste Lesung hatten wir heute Sacharja 9,9-10. Sehr interessant! Warum? Das Buch Sacharja zerfällt in zwei Teile. Den Schwerpunkt des ersten Teils [Kap. 1-8] bilden acht Visionen, die den Plan Gottes zur Wiederherstellung des zerstörten Jerusalem und zur Neuordnung des begnadigten Gottesvolkes darlegen. Im Anschluss daran ermahnt der Prophet das Volk von Juda, sich durch ein Leben nach der Weisung Gottes auf die Erfüllung der endzeitlichen Verheißungen vorzubereiten.
Der zweite Teil des Buches [Kap. 9-14] wendet sich direkt dem Endgeschehen zu. Dementsprechend ist dort die Rede von der Bedrängnis Jerusalems durch die gottwidrige Heidenwelt und von der damit verbundenen Läuterung des Gottesvolkes, aber auch von dem Auftreten des Messias und von der Offenbarung der Gottesherrschaft für die ganze Welt. Angesichts der Hoffnungslosigkeit des Volkes, das nach den Schicksalsschlägen der Vergangenheit [Babylonisches Exil] und den trostlosen Erfahrungen der Gegenwart [Jerusalem liegt in Trümmern] in der Versuchung lebt, sich selbst und seine Sendung aufzugeben, entfacht Sacharja im Blick auf das Kommen der endzeitlichen Gottesherrschaft den Eifer seiner Zeitgenossen für ein mutiges und opferbereites Handeln beim Wiederaufbau Jerusalems und bei der Neuordnung des Gottesvolkes.
Ist das nicht auch heute wieder genau so? Bräuchten wir nicht auch heute wieder so ein Entfachen eines mutigen und opferbereiten Handelns beim Wiederaufbau der Kirche und bei der Neuordnung des Gottesvolkes? Und im Evangelium hören wir dazu die Einladung Jesu: "Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen." Legen wir unser Leben vertrauensvoll in seine Hände!

Josef O.

Ich war heute nicht der Einzige, der hier eine Predigt zum 14. Sonntag im Jahreskreis hochgeladen hat. Da waren zwei sehr volksnahe Predigten dabei, und eine etwas anspruchsvollere vom Archimandriten Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer. In allen dreien gab's interessante Abschnitte! Interessant fand ich z.B. den Hinweis, dass der Anfang des heutigen Evangeliums sich noch auf die Geschichte davor bezieht... Jesus begann den Städten Chorazin, Kafarnaum und Betsaida, in denen er die meisten Wunder gewirkt hatte, Vorwürfe zu machen, da sie sich nicht bekehrt hatten... die Weisen und die Unmündigen. Ja, klug waren sie sicher, die Leute, die Jesu Wunder bestaunt hatten, aber daraus keine Konsequenzen ziehen wollten. Es gab und gibt sie bis heute überall, diese ach so Weisen und Klugen. Sie sind nie um eine Antwort verlegen. Vielleicht haben sie sogar eine Menge Theologie studiert. Sie kennen sich aus. Damals kannten sie sich aus in den vielen, vielen Geboten und Verboten des jüdischen Glaubens. Ja, sie waren wirklich fromm, so fromm, dass sie alles ganz haarklein beachteten. Sicher taten sie das sogar in bester Absicht. Doch all ihr Buchwissen, all ihre Klugheit hatte einen großen Haken: Ihr Herz war durch die ständige Besserwisserei ganz blind geworden.
Sie klebten an den Paragraphen, an den vielen Worten wie die Stubenfliegen an einem Leimring. Aus ihrer Selbstgerechtigkeit kamen diese Klugen einfach nicht mehr heraus. Sie waren im Grunde Gefangene im Käfig ihres Denkens.

Josef O.

Nicht den Klugen, sondern den Unmündigen offenbart sich also der Wille Gottes. Die Klugen sind einfach zu beschäftigt mit ihrer eigenen kleinen Welt, da stört Gott im Grunde oft doch nur. Und selbst wenn diese frommen Kraftprotze jeden Tag in die Kirche rennen – so lange es ihnen eigentlich nur um sich selber geht, bleiben sie in Wirklichkeit doch nur fromme Heiden. Es war wohl Albert Einstein, der das handfest und anschaulich so ausdrückte: "Sie können jeden Tag in die Garage rennen. Sie werden trotzdem kein Auto!" - Diesen Schlaumeiern ist immer noch kein Stein vom Herzen gefallen. Im Gegenteil: er liegt noch ganz fest darauf!

Josef O.

Warum soll ausgerechnet ein Joch Erleichterung bringen? Die Kirchenväter geben darauf eine schöne Antwort: Wenn Christus uns sein Joch anbietet, dann legt er sich selbst mit unter dieses Joch. Er verlangt nichts, was er nicht selbst trägt. Ja, mehr noch, er trägt den größeren Teil der Last. Das sehen wir am Kreuz. Dort trägt Christus letztlich die schwerste Last überhaupt, die Last der Sünde der ganzen Welt. Und seitdem gilt: Keine Last unseres Lebens tragen wir allein. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Schwierigkeiten einfach so verschwinden. Ein Christ wird krank wie jeder andere, er erlebt Enttäuschungen, er muss Abschied nehmen, er kennt Einsamkeit. Aber all diese Lasten erhalten einen neuen Sinn, weil Christus sie mittträgt. Vielleicht kennen Sie die Erfahrung, liebe Schwestern und Brüder, dass dieselbe Last unerträglich wird, wenn man alleine ist und erträglich, wenn jemand sie mitträgt. Ein Krankenhausbesuch verändert die Krankheit nicht, aber er verändert den Kranken. Ein guter Freund nimmt den Schmerz nicht weg, aber er macht ihn leichter. So ist Christus. Er nimmt uns die Last nicht immer ab, aber er trägt sie mit uns. Und deshalb sagt er: "Mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht." Leicht nicht deshalb, weil sie objektiv klein wäre, leicht, weil sie gemeinsam mit ihm getragen wird.

Josef O.

Paul vom Kreuz, der Gründer des Ordens der Passionisten, war überzeugt, dass die Betrachtung des Kreuzes den Menschen verwandelt. Wer auf den gekreuzigten Christus schaut, der lernt Demut, Geduld und Liebe. Gerade aus der Betrachtung der Passion erwächst jene innere Ruhe, von der das heutige Evangelium spricht. Denn am Kreuz sehen wir, dass Christus jede menschliche Last auf sich genommen hat und keine Träne, kein Leid und keine Mühe dem Herzen Gottes fremd geblieben sind. Liebe Schwestern und Brüder, am Ende dieser Heiligen Messe, dieser Eucharistiefeier, werden wir wieder gestärkt hinausgehen. Nicht ohne Aufgaben, nicht ohne Sorgen, und auch nicht ohne Kreuz, aber hoffentlich mit einer tieferen Gewissheit: Christus geht mit uns. Der König auf dem Esel ist stärker als alle Mächtigen dieser Welt. Der Gekreuzigte ist der Sieger über Sünde und Tod. Der Auferstandene schenkt uns seinen Geist und der Herr lädt uns heute neu ein: "Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen." Liebe Schwestern und Brüder, nehmen wir diese Einladung an. Legen wir unser Leben vertrauensvoll in seine Hände, denn nur bei ihm findet das unruhige Menschenherz jene Ruhe, nach der es sich seit jeher sehnt, die Ruhe in Gott, die schon hier auf Erden beginnt und in der ewigen Gemeinschaft mit ihm ihre Vollendung findet.

Ein weiterer Kommentar von Josef O.
Josef O.

Die Unmündigen, von denen Jesus spricht, das sind nicht die Ungebildeten. Es sind jene, die bereit sind zu empfangen. Menschen, die wissen, dass sie nicht alles selbst machen können. Eigentlich beschreibt Jesus damit ja die Haltung eines Kindes. Ein Kind vertraut, ein Kind lässt sich beschenken, ein Kind weiß, dass es Hilfe braucht. Genau darum geht es im Glauben, liebe Schwestern und Brüder: Nicht unsere Leistung rettet uns, nicht unsere Frömmigkeit, nicht unsere Intelligenz, sondern Gottes Gnade. Vielleicht liegt darin auch eine der größten Schwierigkeiten unserer Zeit, sind wir es doch gewohnt, alles selbst zu organisieren. Wir planen, wir optimieren, wir kontrollieren, wir möchten unser Leben im Griff haben. Aber irgendwann kommt doch jeder Mensch einmal an Grenzen: eine Krankheit, der Tod eines Angehörigen, eine zerbrochene Beziehung, eine Schuld, die sich nicht rückgängig machen lässt. Dann merken wir: Ich kann mich nicht selbst erlösen. Und genau dort beginnt der Glaube.

Josef O.

Die Lesung aus dem Römerbrief beschreibt diese Wirklichkeit mit den Begriffen Fleisch und Geist. Diese Begriffe werden häufig missverstanden. Mit Fleisch meint Paulus nicht den menschlichen Körper. Denn der Leib ist gut, er ist von Gott geschaffen. Er wird einst auferstehen. Nein, mit Fleisch meint Paulus hier den Menschen, der lebt, als gäbe es Gott nicht. Den Menschen, der sich selbst zum Mittelpunkt macht. Demgegenüber steht das Leben im Geist. Wer im Geist lebt, dessen Leben wird vom Heiligen Geist geprägt. Und natürlich bleibt auch der Christ schwach. Natürlich kämpft auch der Christ gegen Versuchungen, aber sein Leben hat eine neue Richtung bekommen. Paulus sagt sogar: "Der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, wohnt in euch." Ein fast schon ungeheuerlicher Gedanke. Nicht irgendeine Kraft, nicht irgendeine Inspiration, sondern derselbe Heilige Geist, durch den Christus aus dem Grab auferstand. Dieser Geist lebt in jedem Getauften, in jedem von uns. Das bedeutet: Wir sind niemals allein! Gerade in schweren Zeiten, liebe Schwestern und Brüder, vergessen wir das so schnell.